Alex, der Künstler

Posted on 5. Oktober 2018

So! Nun möchte also mein ältester Sohn Sänger werden und der jüngere Künstler. Hm. Ich hoffe wirklich, dass die Sache mit dem bedingungslosen Grundeinkomen in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren dann mal kommt.

Andererseits wollte ich noch Schäfer werden bis ich ungefähr zwölf war. Von demher kann ja noch einiges geschehen. Und ich muss auch gestehen, dass Erik gar nicht so schlecht singt (beziehungsweise rappt) und Alex … also der nimmt sein Ziel Künstler zu werden richtig ernst. Ja ich kann sagen, dass ich vor mütterlichem Stolz beinahe platze. Und damit das nicht passiert, schreibe ich lieber diesen Blogbeitrag.

Ich kann nicht verleugnen, dass ich gerade als Jungmutter große Hoffnungen für meine Abkömmlinge hegte. Und zumindest bei meinem Älteren legte ich mich noch ganz schön ins Zeug, was die frühe Förderung von (teilweise gar nicht vorhandenen) Talenten anging. Die Erfahrung, die ich dann recht schnell machte: Kinder sind kein Wunschkonzert. Trotz aller Bemühungen ist Erik ein Lesemuffel, kein Künstler, kein Fußballtalent und so erschreckend wenig ehrgeizig … naja, er hat ganz viele andere Talente.

Aus dieser Erfahrung heraus (und auch, weil ich nach Alex’ Geburt ganz andere Probleme hatte) war das Förderprogramm für Alex … ähm … sagen wir mal … nicht vorhanden. Bei der U7a machte mich unsere Kinderärztin nett darauf aufmerksam, dass Alex den Stift nicht richtig hält. Bei ihm sah es so aus, als ob mit einem Holzpflock einen Vampir töten wollte. Die Ärztin zeigte ihm, wie er den Stift halten soll (so wie ein Krokodil danach schnappt) und forderte ihn dann auf, einen Mensch zu malen. Alex hatte noch nie ein Männchen gemalt und eigentlich auch nicht viel anderes. Er schaute Frau Dr. Wörle nur an und sagte: “Das kann ich nicht.” Die Ärztin gab nicht auf und erklärte ihm, wie er Kopf und Bauch malen sollte, dann noch Beine, Arme und Finger dran. Das Ergebnis war grauenvoll, aber es war zu erkennen, dass es ein Mensch sein sollte. Das war für Alex ein Schlüsselerlebnis, denn seit diesem Arztbesuche malt er jeden Tag mindestens zwei bis drei Bilder.

Und es nicht mal die künstlerische Höhe der Werke, die ich so verblüffend finde, sondern dieser absolute Ehrgeiz, es wieder und wieder zu probieren. Verschiedene Techniken, verschiedene Motive, Geschichten, Gekritzel, Geschreibsel, Buntes, Abstraktes, Gruseliges, Technisches, Gebasteltes, Geklebtes… Die Vielfalt beeindruckt mich wirklich. Und wenn man danach fragt, gibt es zu jedem Bild eine phantasievolle Geschichte.

Ich kann die Berge von Papier leider nicht aufheben, es ist einfach zu viel. Eine kleine Auswahl habe ich eingescannt und kann sie nun mit euch teilen. Hier ist der Link. In der Bildinfo (dazu auf das Bild klicken) findet ihr noch ein paar mehr Informationen — zumindest, soweit ich sie noch zusammenbekommen habe.

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